
Bildlegende: Grafik zur Kolumme: Meine Schwester
Zur Abwechslung haben wir hier eine Kurzgeschichte. Eine kleine Kurzgeschichte. Eine Geschichte vor der Fasnacht, über die Fasnacht.
Die gibt es noch immer
Gosche am 27.11.2009
, zuletzt modifiziert von Gosche am 10.12.2009 um 12:21
„Und? Willst du es nun machen?“, fragte mich meine Schwester. „Klar. Was soll ich sonst? Ich kann dies nicht ändern. Aber es ist so, wie soll ich sagen, blöd. Nein, nicht blöd, es ist als wäre ich in einer Sackgasse, einer Zwickmühle“. “ Aber du hast es versucht? Oder?“, ereiferte sich Schwesterlein. Ich kenne das. Jedes Mal wenn es hart auf hart kommt, steigert sie sich im Ton. Jetzt kommt es. Ganz sicher. Sie wartet meine Antwort nie ab. Ich höre schon das – los sag… und sie fiel mir auch gleich in meine Gedanken. „Los sag es!“, rief Schwester. Ich wusste es, dachte ich weiter. „Ja, ich habe es versucht, ich habe es wirklich versucht!“, entgegnete ich und noch bevor sie darauf was erwidern konnte, fuhr ich laut fort mit meinen Gedanken. „Ich lese dir mal vor was ich bereits habe und dann kannst du mir ja…“. „… klar, ich sage dir dann, wie es ist und wo du es vortragen kannst,“ vollendete meine Schwester meinen Satz. „Hör jetzt bitte zuerst mal zu. Vielleicht ist mein Text so schwach, dass ich alles gleich in den Müll werfen kann. Also, hör zu!“. Mein Ton wurde merklich lauter und meine Gedanken waren wie immer in solchen Situationen. Ich musste mich sammeln, sonst kritisiert sie mich bevor ich was aufsage.
Ich fing also mit meinen Text an. Jedenfalls das, was ich bis jetzt schon hatte. „Dört unge töif im Tal, im Gsicht wird’s ihm ganz faal. Es isch so tüflisch schlimm, won är het gseit, do nimm“. „Meine erste Zeile“, ich blickte zu meinem Schwesterlein. „Gut, weiter!“, entgegnet sie. Ich fuhr fort ohne darauf zu antworten: „Jetz weiss är nümm wieso, d‘Sach so isch usecho“. „Fähler heig är nid gmacht, trotzdäm ä jede lacht“. „Dr Witz dra isch so fiin, weiss dr Ivo Muezzin“. „Naja“, meinte meine jüngere Schwester, „der Brüller ist es noch nicht, aber so für den Anfang nicht schlecht“. „Wie viele hast du schon?“, fragte sie weiter. „Mit diesem hier sind es acht Stück. Aber sag mir jetzt wo ich sie vortragen kann“. Sie überlegte kurz und fing an aufzuzählen: „Vor der Fasnacht, am Plausch im Parktheater, Samstag und Sonntag, am schmutzigen Donnerstagabend an der Proklamation und in den Beizen, an der Gosche-Nacht am Freitagabend im Park und in der Helvetia, am Faschingszunftball am Samstagabend, am Sonntag nach dem Umzug im Löwen, am Montagabend am Lunaball, im Mazzini und im BlueMoon, am Dienstag am Kehrausball, auch im Park“. Entgeistert schaute ich sie an. „Hallo, meine Liebe, in welchem Jahr lebst du eigentlich? Von deinen zwölf Vorschlägen sind nur noch zwei gültig. Das ist so blöd. Ich bin in einer Sackgasse. „Welche sind den noch gültig?“, fragte sie. „Donnerstagabend und Freitagabend“, antwortete ich mit leicht säuerlicher Miene achselzuckend. „Und der Plausch?“, fragte sie weiter. „Den gibt es schon noch, glaube am Donnerstag“. „Ach so, darum ist es jetzt ein Pläuschli an der Fasnächtli“, giftete meine Schwester. „Nein, nein, so schlimm ist auch wieder nicht. Es gibt ja jetzt die Gosche-Nacht am Freitagabend und die Guggenight am Samstag.“, versuchte ich zu rechtfertigen.
„Sag mal“, fragte mich meine kleine Schwester nach einer kurzen Pause. „Am Freitag gab es doch die Altersheimfasnacht im Weinberg und am Kastel und der Altersfasnachtsball im Zwinglihaus. Gibt es die auch nicht mehr?“. „Doch mein Schwesterlein, doch, die gibt es noch immer. Alle!“.
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